unsere eigenen Worte finden
Im zweiten Halbjahr 2021 haben wir als ganze Gemeinde unser Glaubensbekenntnis erarbeitet. Ausgehend von den drei grossen Glaubensbekenntnissen hat das GLT einen Textentwurf erstellt. Diesen haben Verschiedene aus dem Predigt-Team weiterentwickelt und in den Predigten der Gemeinde vorgestellt. Darauf konnten alle dann wieder reagieren, kommentieren, Anpassungen vorschlagen.
Das GLT hat dieses Feedback gesammelt und in den Text hineingearbeitet. In einem gemeinsamen Treffen konnten sich alle, die wollten, noch einmal an der Endredaktion beteiligen. Silvan und Boris haben das Glaubensbekenntnis im Frühling 2026 nochmals zusammen mit dem GLT aktualisiert - ohne aber den Inhalt zu verändern.
Es ist Ausdruck unseres Glaubens - aber auch eine Einladung, mit uns mitzuglauben - auch wenn man in einzelnen Formulierung oder Aspekten nicht oder anders glaubt.
Wir glauben
Wir glauben an einen lebendigen Gott, der ewig als drei Personen Beziehung lebt – als Vater, Sohn und Heiliger Geist, voll von Kraft und Herrlichkeit. Dieser dreieinige Gott hat alles vielfältig erschaffen, umfasst alles und kreiert auch heute immer wieder Neues. Er gibt unserem Leben Halt, Richtung und Sinn.
Wir glauben an Gott, der sich als liebevoller und fürsorglicher Vater[1] zeigt. Er ist unendlich, vollkommen in Heiligkeit, Weisheit und Kraft und begegnet uns doch persönlich. Er kümmert sich um uns mit Liebe, Annahme und Vergebung. Er hört und beantwortet Gebete. Er nimmt uns in seine Gemeinschaft auf und nimmt uns als seine Kinder an.
Wir glauben an Jesus Christus als Gottes Sohn. In Jesus lebt die ganze Fülle von Gott. In ihm sehen wir, wie Gott ist. Wir glauben, dass er vom Heiligen Geist empfangen und von einer Jungfrau geboren wurde. Er ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist. Wir glauben an sein sündloses Leben, seine Wunder, seine Lehre, seinen stellvertretenden Tod, seine körperliche Auferstehung, seine Rückkehr in den Himmel als König über allem. Er ist Beistand für seine Nachfolger:innen in Fürbitte, Liebe und Kraft. Wir glauben, dass mit Jesus Christus das Reich Gottes angebrochen ist und es sich mit seiner Wiederkehr erfüllt.
Wir glauben an den Heiligen Geist, der von Anfang an da war. Er wird uns vom Vater als Gabe geschenkt. Er spricht Herz und Gewissen an und lässt uns Gott persönlich erleben. Zugleich wirkt er mit gestalterischer Kraft in der Schöpfung und in der Geschichte. Der Geist «weht, wo er will», sein Wirken sprengt jegliche soziale, kulturelle und nationale Grenzen. Er wird denen geschenkt, die Jesus Christus nachfolgen, und führt sie in die Gemeinschaft mit Christus. Er deckt Lügen und Unrecht auf und bewirkt Versöhnung, Heilung und Wiederherstellung. Er führt in ein Leben, das von Liebe geprägt ist. Als Beistand und Tröster befähigt er uns zu einem gottgemässen Leben, damit wir schon heute etwas vom Himmel erfahren und davon weitergeben können.
Wir glauben, dass uns in der Bibel – im Kanon des Alten und Neuen Testaments – Gottes Wort in Vielstimmigkeit begegnet. Sie erzählt Gottes Geschichte mit den Menschen und der Welt und ist die massgebende Quelle und Autorität, aus der wir als Gemeinde unsere Verkündigung schöpfen. An ihr richten wir uns aus und lassen uns von ihr korrigieren. Darum lesen, hören und achten wir die Bibel im Vertrauen auf ihre Zuverlässigkeit und legen sie verantwortungsvoll aus, damit wir Gottes Reden heute verstehen, ihm gehorsam antworten und unser Leben in seine Geschichte hineinnehmen lassen.
Wir glauben, dass alle Menschen im Ebenbild Gottes geschaffen sind und alle gleichermassen wertvoll, gewollt und geliebt sind, auch wenn wir – und gerade da wir – unvollständig, gebrochen, fehlerhaft und unerfüllt sind. Jesus Christus ist unser Erlöser, der uns wiederherstellt. In ihm und durch ihn wird aus unvollständigen Menschen eine Gemeinschaft, welche ihn in allen Facetten widerspiegelt. Wir Menschen sind und bleiben auf die Gnade Gottes und auf die Gnade unserer Mitmenschen angewiesen.
Wir glauben an die Existenz einer weltweiten Kirche, die durch die Ausgiessung von Gottes Geist ins Leben gerufen wurde. In ihr sind alle Christ:innen verbunden als ein lebendiger, geistlicher Leib mit Christus als Kopf. Diese weltweite Kirche findet ihren konkreten Ausdruck in lokalen Kirchen: Gemeinschaften von Menschen, die gemeinsam Christus nachfolgen und ihn in dieser Welt repräsentieren. Die Kirche soll sich nach dem Vorbild Jesu verschenken und – in aller Gebrochenheit – etwas vom Himmel im Hier und Jetzt erlebbar machen.
Wir glauben an Gott als den Vollender. Wir glauben, dass das letzte Wort über die Welt, unsere Mitmenschen und uns noch nicht gesprochen ist und dass Jesus uns noch einmal überraschen wird, wenn er wiederkommt. Er wird diese alte, geschundene Schöpfung erneuern und die zerbrochene Menschheit heilen. Die Toten werden lebendig und alle Menschen werden sich vor diesem liebevollen, barmherzigen und gerechten Gott verantworten. Jesus wird das Böse beseitigen, Klarheit und endgültige Gerechtigkeit schaffen und alles in Ordnung rücken, damit wir ewig mit ihm und miteinander in Vollkommenheit leben.
[1] Die Bibel bezeugt Gott vielfach als Vater, der seine Kinder liebt, kennt jedoch auch mütterliche Sprachbilder für Gottes Liebe, Schutz und Trost (vgl. Jes 49,15; Jes 66,13; Mt 23,37). Wenn wir Gott als Vater bezeugen, schliesst das für uns auch Gottes mütterliche Aspekte mit ein. Gott ist mehr als Vater oder Mutter und Gott übersteigt sowohl Männlichkeit wie auch Weiblichkeit; solche Metaphern helfen uns jedoch, von Gott zu sprechen.